Die Geschichte der zweiten Generation des legendären Pony Cars — entwickelt unter Lee Iacocca, eingeführt mitten in der Ölkrise, und oft unterschätzt bis heute. Über 1,1 Millionen produzierte Exemplare in fünf Jahren erzählen eine andere Geschichte.
Als Lee Iacocca 1970 zum Präsidenten der Ford Motor Company aufstieg, war eines seiner ersten Ziele klar: Ein kleinerer, sparsamerer Mustang musste her. Die erste Generation war gewachsen, schwerer und durstig geworden — das passte nicht mehr in eine Zeit, die von Umweltbewusstsein, Versicherungskosten und dem drohenden Schatten der Energiekrise geprägt war.
Entwickelt auf Basis des Ford Pinto, aber mit einem eigenen Hilfsrahmen, war der Mustang II 490 Pfund leichter und fast 48 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger von 1973. Iacocca wollte ein "kleines Juwel" — ein Fahrzeug mit hochwertiger Verarbeitung, das sich gegen erfolgreiche Import-Sportwagen wie den Datsun 240Z, den Toyota Celica und den Ford Capri behaupten konnte.
Am 21. September 1973 wurde der Mustang II eingeführt — just in dem Moment, als das arabische Ölembargo die westliche Welt erfasste. Was wie schlechtes Timing wirkte, erwies sich als Glücksfall: Die Nachfrage nach kompakten, sparsamen Fahrzeugen explodierte. Im ersten Modelljahr wurden 385'993 Exemplare verkauft — fast so viele wie beim legendären Erstjahr des originalen Mustang 1964.
Der Motor Trend vergab dem Mustang II den Titel "Car of the Year 1974". Ein Beweis, dass das Konzept aufging.
Der Einstieg in die Mustang II Welt — schlichter 2-Türer mit feiner Innenausstattung. In 1974 produzierten Ford allein 257'148 Coupes.
Das Sportmodell — mit Heckklappe und Fastback-Silhouette. 1974 wurden 118'845 Hatchbacks gebaut. Basis für Mach 1 und Cobra II.
Die Luxusvariante mit gepolstertem Vinyldach, feiner Velour-Innenausstattung und kleinen hinteren Fensterscheiben für einen formellen Look. 1975: 52'320 gebaut.
Das Sport-Topmodell — nur als Hatchback, mit Sportfahrwerk, Frontscheibenbremsern und staggerierten Hinterachsdämpfern. 1974: 44'046 produziert.
| Motor | Hubraum | Leistung | Jahre |
|---|---|---|---|
| 4-Zylinder «Lima» — produziert im Ford-Werk Lima, Ohio, USA |
2.3L (140ci) | 88–92 PS | 1974–1978 |
| V6 «Köln» — produziert im Ford-Werk Köln, Deutschland |
2.8L (171ci) | 97–105 PS | 1974–1978 |
| V8 selten Windsor V8 — produziert im Ford-Werk Windsor, Ontario, Kanada. Eingebaut auch im Ford-Werk Cuautitlán, Mexiko — dort in Kombination mit 4-Gang-Handschaltung: eine der seltensten Mustang II Konfigurationen weltweit. → Unser Exemplar ansehen |
5.0L (302ci) | 122–139 PS | 1975–1978 |
Ford entschied bewusst, den Mustang II im Einführungsjahr ohne V8 anzubieten. Mitten in der Ölkrise sollte das Fahrzeug als sparsames, modernes Kompaktauto positioniert werden. Der V8 kehrte erst 1975 zurück.
Der Windsor V8-Block kam aus Kanada, wurde aber auch im Ford-Werk Cuautitlán, Mexiko verbaut. Dort entstand eine der rarsten Konfigurationen überhaupt: V8 + 4-Gang-Handschaltung + mexikanische Produktion — drei Faktoren, die dieses Fahrzeug weltweit einzigartig machen. → Unser Exemplar
Mit der Einführung des Katalysators ab Modelljahr 1975 sanken die Leistungsangaben leicht — trotzdem blieb der V8 die begehrteste Motorisierung für Enthusiasten.
Das wohl bekannteste Sondermodell: Aerodynamik-Anbauteile, Motorhauben-Scoop, Spoiler, Fenstergitter und markante Cobra-Streifen. Erinnerte optisch an die Shelby Mustangs der 1960er. Zunächst extern von Motortown verbaut, ab 1977 von Ford selbst.
25'259 Produziert 1976 alleinEin optisches Paket mit geschwärztem Kühlergrill, Stossfängern und Karosserieleisten sowie farblich abgesetzten Zwei-Ton-Akzenten. Erhältlich in Silber, Rot, Weiss und Gelb — für alle, die Auftritt ohne Cobra-Anspruch wollten.
1976 Nur dieses eine JahrDie Krone der Mustang II Ära: riesige Cobra-Grafik auf der Motorhaube, Spoilerpaket, spezielle Felgen und V8 als Standardmotor. Nur 1978 erhältlich — und nur in beschränkter Stückzahl. Heute eines der gesuchtesten Sammlerstücke.
4'972 Produzierte Exemplare gesamtÜber alle fünf Modelljahre wurden insgesamt mehr als 1,1 Millionen Mustang II gebaut. Ein Ergebnis, das in der Automobilgeschichte selten als Misserfolg bezeichnet werden dürfte — und dennoch oft so behandelt wird. Das Fahrzeug war ein Produkt seiner Zeit und löste seine Aufgabe mit Bravour.
Lange galt der Mustang II als schwarzes Schaf der Mustang-Familie. Zu klein, zu wenig Leistung, zu sehr Pinto — so lauteten die Vorwürfe. Doch eine ehrliche Betrachtung zeigt: Das Fahrzeug war eine direkte Antwort auf die Herausforderungen seiner Zeit und löste diese mit Bravour.
Der Mustang II führte wichtige Technologien ein, die die gesamte Mustang-Linie prägen sollten: Zahnstangenlenkung, Vierradscheibenbremsen als Option, moderne Fahrwerksgeometrie mit Doppelquerlenker vorne. Das Fox-Body-Mustang von 1979 baute direkt auf diesem Fundament auf.
Heute erfährt der Mustang II eine Renaissance. Sammler schätzen seine Seltenheit, seinen kompakten Charme und seine Vielfalt an Varianten. Besonders seltene Konfigurationen — wie der V8 mit manuellem Getriebe aus mexikanischer Produktion — sind weltweit gesuchte Raritäten.
Ein 2009 erschienener Bericht bestätigte Iacoccas Vision rückblickend: "Es war das richtige Auto zur richtigen Zeit" — mehr als eine Million Einheiten in vier Jahren sprechen für sich.